[Interview] Kennen Sie schon … Marie Graßhoff? – TEIL 1

Ich freue mich wirklich, heute diesen Post in die Welt zu schicken, immerhin ist es ein ganz spezieller Gast, der meine Fragen beantwortet hat. Wer Kernstaub kennt, kennt auch sie – Marie Graßhoff, ein poetisches Genie, das auch mit Haarfarben und Fotographien ihre Gedanken zum Ausdruck bringen kann! Aktuell findet eine “Geburtstags-Feier” auf Facebook statt, die zelebriert, das “Kernstaub” jetzt schon 5 Jahre alt ist. Ich durfte freundlicherweise einige Fragen an die liebe Marie schicken und die Antworten haben mich wirklich neugierig gemacht. Da diese aber auch ziemlich lang sind, wird dieses Interview in zwei Teile gespalten. Der erste Teil kommt heute (wer hätte das gedacht), der zweite dann morgen. Dabei werdet ihr so einiges über ihr Buch und auch sie selber herausfinden! Ich hoffe ihr habt viel Spaß beim Lesen!

Wie bist du auf die Idee von „Kernstaub“ gekommen und wie ist dessen Entstehungsgeschichte?

Die Entstehungsgeschichte bei Kernstaub ist glaube ich etwas ungewöhnlich dafür, dass das Projekt jetzt so riesig und komplex ist. Im Jahr 2010 hatte ich mich in eine ziemlich große Schreibkrise manövriert. Viele Romane hatte ich 2009 beendet und dann immer und immer wieder versucht, neue Projekte zu starten. Aber irgendwie war einfach nicht das richtige dabei. Ich war sogar schon am »Ich kann gar nicht mehr Schreiben«-Punkt angelangt. Auch wenn Inspiration noch immer in Massen vorhanden war.

Eines Abends nach einem Kinobesuch fuhr ich in einer S-Bahn zwischen Frankfurt und Mainz-Kastell. Die Sonne ging hinter den Weinbergen unter und ich fühlte mich sehr zufrieden und etwas müde. Die Bahn war fast leer. Aber in meiner Nähe saßen 3 Männer, die alle in unterschiedlichen, fremden Sprachen telefoniert haben. Ich habe nicht ein Wort verstanden. Und als ich mich nach einigen Minuten wieder in der Bahn umsah, lag da eine Uhr auf dem Platz mir gegenüber. Eine Taschenuhr. Sicherlich war sie jemandem aus der Tasche gerutscht, aber mir kam es kurz so vor, als wäre sie einfach dort aufgetaucht.

Und ich dachte: Eigenartige Dinge passieren überall und zu jeder Zeit. Was, wenn sie irgendwie miteinander zusammenhängen? Was, wenn unsere Welt sich langsam verändert, immer sonderbarer wird, aber wir Menschen sind gar nicht in der Lage, das zu sehen?

Da war die Grundidee zu Kernstaub geboren. Zum System und den Phasen, die den Rahmen des Romans bilden.

Außerdem war da noch ein Traum. Es war ein Winter ohne Schnee, aber der Boden war gefroren und ganz hart. Und von irgendwo oben kam ein seltsames, goldenes Licht, das die ganze Welt um mich herum benetzte. Es war eiskalt, meine Hände waren schon ganz taub und alles um mich herum schien tot und leblos zu sein. Eine wahre Einöde. Aber der goldene Schein hat alles ganz warm wirken lassen.

Dieses Bild hat mich dann zu der dystopischen Welt aus Kernstaub inspiriert.

Erst setzte ich mich also dran, eine leichte und nette Jugendstory aus diesen Einflüssen und Gedanken zu stricken. Ein paar Rätsel hier und da, aber sonst nicht allzu Krasses, weil ich einfach etwas suchte, mit dem ich meine Schreibblockade überwinden konnte. Aber je länger das Projekt in meinem Kopf reifte und je weiter ich es plante, umso komplexer und größer wurde es. Bis es die heutigen Ausmaße angenommen hatte.

Im August 2010 schrieb ich das erste Wort. Und bis heute bin ich dabei und hatte seitdem nicht eine Schreibblockade mehr!

Wenn du zu einem deiner Charaktere werden könntest, welchen würdest du aus welchen Gründen wählen?

Darüber habe ich jetzt sehr lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich eigentlich keiner von meinen Charakteren sein möchte. Nie. Wer „Kernstaub“ kennt, weiß vielleicht, warum. Der Roman beschäftigt sich mit den ganz großen Thematiken wie Leben und Tod, der Sinn der Existenz und so weiter. Dementsprechend dramatisch – ja fast fatal – sind die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander angelegt und konzipiert.

Ngaja, die nur Leben will, aber allein ihrer Existenz wegen umgebracht werden soll. Oder A’en, der sich an all seine Leben erinnert, egal wie oft er stirbt und wiedergeboren wird – obwohl er doch nur ruhen und vergessen möchte. Oder Glen, der sich die Schuld an der Zerstörung der Welt gibt (und damit nicht zu 100% Unrecht hat).

Beim Schreiben weine ich total oft. Aber vor allem bei schönen Szenen aus der Vergangenheit, weil sie einfach so selten sind, dass es mich total fertig macht. Nein, je länger ich darüber nachdenke, umso froher bin ich, dass ich keiner von diesen Charas sein muss :‘)

Was war dein schönster Moment mit einem deiner Romane?

Oh, die Arbeit an meinen Romanen besteht aus wahnsinnig vielen schönen Momenten, zwischen denen ich mich gar nicht entscheiden kann! Natürlich ist das Schreiben daran toll – und jedes Mal, wenn sich jemand dazu bereit erklärt, mit mir über meine Texte zu plaudern. Jedes Mal, wenn ein Leser sagt, dass er mitgerissen war und gelacht und geweint hat. Oder wenn sich Leser wirklich die Mühe machen, FanArt zum Roman anzufertigen oder mir anderweitig unter die Arme greifen. Das ist so ein tolles Gefühl. Zwischen all diesen Momenten kann ich gar keine Rangfolge erstellen, weil sie alle so toll sind!

Wie stellst du dir dein Leben in ca. 10 Jahren vor? Bestsellerautorin oder Weltraumastronautin?

Soweit kann ich gar nicht vorausschauen. (Hoffentlich habe ich Kernstaub da schon fertig. Haha ;)) Ich lebe eher von Moment zu Moment. Bestsellerautorin werde ich eh nie werden, damit habe ich mich schon in Frieden abgefunden. Dafür sind meine Texte einfach zu speziell.

Der Traum wäre natürlich, dass ich in 10 Jahren einen kreativen Beruf habe (wie jetzt auch schon), in dem ich etwas mehr Zeit habe. Vielleicht arbeite ich dann nur noch halbtags und wohne in einem Häuschen auf dem Land. Oder in einer Wohnung in einem Hochhaus. Beides kann ganz bescheiden sein. Und ich schreibe noch immer vor mich hin und bin zufrieden (wie jetzt auch schon).

Ich habe keine so hohen Ansprüche.

Solange ich Zeit zum Schreiben habe, ist alles gut 🙂

Du zeigst ein großes Interesse fürs Weltall. Woher kommt diese Zuneigung und an welchen Ort in unserer Galaxie würdest du gerne reisen?

Ich liebe das Weltall einfach schon immer! Als alle Mädchen noch Prinzessin, Ballerina, Sängerin und Schauspielerin werden wollten, hatte ich schon feste Pläne, einmal auf den Mond reisen zu wollen, fremde Welten zu erforschen und einmal ganz große wissenschaftliche Entdeckungen im Weltraum zu machen.

Schuld daran ist vermutlich mein Papa. Der größte Star Trek und Star Wars Fan aller Zeiten. Mit den Filmen und den Serien bin ich praktisch groß geworden. Und ich hatte schon als kleines Mädchen die fantastischsten Vorstellungen davon, was dort draußen wohl auf uns warten könnte. Fast, als wäre ich bereits mit dem Wissen geboren worden, dass unsere Welt nicht alles ist.

Wenn ich einen Ort im Weltall bereisen könnte, würde ich erst einmal mit unserem Sonnensystem beginnen. Es gibt so magische und unglaubliche Orte, allein schon in unserer „Nachbarschaft“. Weiter weg würde ich dann gern einmal die großen Sternennebel sehen. Oder einen Pulsar von nahem. Und wenn es möglich wäre, würde ich so nah wie möglich an ein schwarzes Loch reisen und mich vielleicht hineinziehen lassen, um einen Blick hinter den Ereignishorizont werfen zu können 😉

Gab es Momente während „Kernstaub“ oder „Weltasche“ in denen du am liebsten alles weg geworfen hättest und wie bist du darüber hinweg gekommen?

Ich glaube, diese Momente kennt jeder Schriftsteller. Aber bei der Kernstaub-Trilogie hielten sich solche Anwandlungen immer relativ in Grenzen. Natürlich zweifelt man. Und ich habe wirklich kein sehr stabiles Selbstbewusstsein, was es nicht gerade leichter macht. Aber meine Liebe und Leidenschaft haben mich dann doch immer wieder dazu gebracht, weiterzumachen. Mich weiterzuentwickeln 🙂

Ich habe ab und an mal daran gedacht, die Veröffentlichung rückgängig zu machen. Aber das liegt vor allem daran, dass ich ab und an schwache Phasen habe, in denen ich mich leicht entmutigen lasse. Zu keinem Zeitpunkt habe ich allerdings das gesamte Projekt angezweifelt – denn schreiben werde ich immer. Egal, ob es jemand liest/ich es jemandem zeige oder nicht.

Was wäre dein Tipp für junge Autoren, den du ihnen auf den Weg geben möchtest?

Ganz einfach: Schreibe, was du liebst. Schreibe das, was dir etwas bedeutet.

Es wird immer Menschen geben – egal ob in deinem realen oder virtuellen Umfeld -, die dir das unangenehme Gefühl vermitteln, du müsstest dich irgendwie dafür entschuldigen, was du schreibst. Hört nicht darauf! Du möchtest Fantasy schreiben? Dann schreib es! Du liebst es, leichte Liebesgeschichen oder hochphilosophische Texte zu verfassen? Dann schreib sie! Science Fiction, Gay Romance, Drama, Märchen, Steampunk, Horror – egal, welches Genre: Wenn ihr es liebt, dann schreib es. Und entschuldige dich nicht dafür, sondern tu es voller Leidenschaft!

Wenn du schreibst, was du liebst, dann wirst du auch all die Energie und Motivation aufbringen können, deinen Text bis zum Ende zu verfassen – und darüber hinaus. Du wirst die Energie besitzen, die es braucht, um auch andere mit deinen Ideen zu „infizieren“, sie in deine Welt zu ziehen und mit auf deine Reise zu nehmen. Wenn du das liebst, was du schreibst, dann wirst du deinen Text nicht aufgeben – egal, welche schlimmen Phasen und Zweifel du durchmachst.

Es gibt immer Tiefpunkte – denn wenn man sein ganzes Herz in eine Sache steckt, dann ist es nur allzu angreifbar und verletzlich. Aber am Ende wirst du die Geduld und das Durchhaltevermögen besitzen, um alle Probleme zu überwinden, dein Ding durchzuziehen und am Ende sehr, sehr zufrieden zu sein!

Nun verabschiede ich euch vorerst in den Abend und hoffe, euch hat das kleine Interview gut gefallen. Wie gesagt, der zweite Teil der Fragen folgt dann morgen!

Bis denne 🙂

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