Infowoche rund ums Buch ~ Teil 4 ~ Coverdesign

Nachdem die Geschichte von einem Verlag akzeptiert und ordentlich lektoriert wurde, geht es an die Veröffentlichung. Und was ist wichtig, für eine Veröffentlichung? Genau, das Cover. Heute lernt ihr etwas mehr über das Designen von Covern. Viel Spaß.

  • Wer bist du denn eigentlich?cover irina

Ich bin Irina Bolgert, Chemnitzer Grafikerin von Book Dresses .Ursprünglich komme ich aus Kasachstan und bin die Tochter zweier Künstler. Zudem bin ich noch eine Katzenbesitzerin und ein großer Fan von Final Fantasy und Harry Potter.

  • Wie bist du dazu gekommen, Cover zugestallten?

Noch bevor ich meinen Job als Grafikerin in einer Werbeagentur begann, gestaltete ich Fotomontagen für Freunde und illustrierte wahnsinnig gern. In der Werbung kommt man nicht oft zum Illustrieren und so habe ich es vermisst. Durch das Schreiben stehe ich in engem Kontakt zu Autoren und kann somit meine Wünsche und meine Fähigkeiten zu etwas Neuem verknüpfen – dem Coverdesign.

  • Lohnt es sich, Cover-Designer zu werden?

Was sind die Vor- und Nachteile? Es lohnt sich immer, seine Träume zu verwirklichen. Die Vorteile sind natürlich, dass ich direkt mit Autoren arbeiten kann und sie mir vertrauen und freie Hand lassen, was in so einem kreativen Prozess wichtig ist. Ein großer Nachteil ist, dass ich das Ganze neben meinem Hauptberuf in meiner Freizeit mache und Nachts müde ins Bett falle. Aber solange es Spaß macht, nehme ich diese zusätzliche Arbeit gern in Kauf.

  • Wieviel verdienst du im Monat mit deinem Online-Shop?

Ich besitze noch keinen Online-Shop, ich bevorzuge den direkten Kontakt zu meinen Kunden. Meine Nebentätigkeit habe ich erst vor knapp zwei Monaten begonnen und kann noch keine Prognose über den Verdienst aufstellen. Zum Leben reicht es zumindest noch nicht 🙂

  • Wie lange dauert es gewöhnlich ein Cover zu gestalten?

Ein einfaches Cover entsteht innerhalb vier Stunden, für komplexere Arbeiten benötige ich schon bis zu vier Tage.

  • Wie lässt du dich für deine Cover inspirieren?

Zunächst lese ich mir den Klappentext durch und erfrage, was sich der Autor wünscht. Dann sehe ich meist schon ein Bild vor mir. Wenn mir allerdings gar nichts einfallen will, recherchiere ich ein über die Thematik, die das Buch behandelt, da kommt die Inspiration von selbst.

  • Wie gut sind die Chancen für Anfänger?

Gerade gibt es viele Möglichkeiten für einen Einstieg ins Coverdesign, denn die Indie-Szene boomt und die Autoren, die zu Beginn ihre Cover im Alleingang gestaltet haben, sind jetzt gewillt, einen Coverdesigner zu beauftragen, um höhere Verkaufszahlen zu erzielen.

  • Worauf kommt es bei der Gestaltung eines Buchcovers besonders an?

Die Programmkenntnisse sollten erlernt und ausgebaut werden und man darf nicht jeden Kundenwunsch umsetzen, denn als Designer trägt man auch die beratende Rolle und muss dem Autor erklären, warum dieser oder jener Wunsch dem Cover schadet, statt hilft.

  • Wie wichtig ist das Cover für den Erfolg eines Buches?

Sehr wichtig! Der Leser lässt erst die Augen über die Covervielfalt schweifen, erst dann greift er zu und liest sich den Klappentext durch.

  • Gibt es Trends in der Cover-Gestaltung?

In der Grafik gibt es so viele Techniken und man sticht heraus, wenn man seinen eigenen Stil entwickelt. Trends gibt es viele, es ist ein Kunststück im schnell auf den Zug zu springen und rechtzeitig aufzusteigen, bevor es zu überladen ist. Designer müssen aktiv und neugierig bleiben, damit sie nicht zehn Jahre lang das gleiche Motiv und die gleiche Technik verwenden. Allerdings sollte man nicht um jeden Preis einem Kunden eine Technik aufdrängen, die überhaupt nicht zu seinem Buch passt. Es ist besser individuell an die Geschichte heranzugehen.

  • Wer entscheidet am Ende darüber, welcher Entwurf genommen wird?

Natürlich liegt das letzte Wort beim Autor, aber man sollte bei den Entwurfvorschlägen auch eine Empfehlung aussprechen, damit wirklich das beste Cover ausgewählt wird.

  • Welches Buchcover das nicht von dir ist, findest du absolut gut?

Es gibt viele schöne, aber derzeit finde ich das Cover von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson cool, weil es ungewöhnlich ist und auffällt.

  • Von wo bekommst du die Bilder, die auf deinen Covers zusehen sind? (falls du das verraten willst)

Einige Bilder kaufe ich bei shutterstock.com oder fotolia.com, aber ich fotografiere auch selbst, ein Bildarchiv mit Strukturen und Details ist von Bedeutung. Ich fotomontiere auch aus Freunden (mit ihrer Erlaubnis natürlich) Personen, die nicht existieren. Das dauert zwar, aber man hat am Ende ein individuelles Cover.

  • Zuletzt: Hast du einen kleinen Tipp, einen Rat usw. für Anfänger im Cover-Geschäft?

Wenn ihr einen Coverauftrag erhaltet, gestaltet nicht wild drauf los, sondern denkt euch erst zwei oder drei unterschiedliche Konzepte aus und stellt sie dem Autor vor. Denn wenn ihr schon von Anfang an Entwürfe anbietet, kann es passieren, dass ihr immer wieder ins Blinde gestaltet und dem Autor gefällt es nicht. Oft hängt es damit zusammen, dass die Kunden noch keine Ideen haben. Mit den Konzeptvorschlägen gebt ihr ihm eine genaue Vorstellung, auf die er sich konzentriert und sich damit anfreundet.

Und nun noch zwei Cover von Irina, die unterschiedlicher und schöner nicht sein könnten.

 

irina cover 2cover irina 1

 

Hiermit danke ich Irina noch einmal dafür, das sie eifrig die Fragen beantwortet und Bilder zur Verfügung gestellt hat. Ich wünsche dir noch viel Erfolg und allen Jung-Designern ebenfalls.

Paulina

 

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Ein Kommentar zu “Infowoche rund ums Buch ~ Teil 4 ~ Coverdesign

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